Spielekiller
Netz |Ein weiterer Beitrag zu der Killerspiel-Debatte. Ich habe eine eMail an die Grünen-Fraktion Karlsruhe gesendet. Diese Mail könnt ihr als erstes lesen. Im Anschluß daran folgt die Antwort der Parteifraktion Karlsruhe. Ich stelle das Antwortschreiben an dieser Stelle ohne weiteren Kommentar zur Verfügung. Gleichzeitigt wird dieser Beitrag auch auf der erwähnte Community veröffentlicht.
Sehr geehrte Damen und Herren,
im oben genannten Artikel findet sich folgender Absatz. (http://www1.karlsruhe.de/Gemeinderat/Gruene-Fraktion/Presse/2009/0511pr01.htm)
Zitat: “Dieses klare Signal muss die kurzfristige Forderung an den Veranstalter sein, das Friday Night Game ohne aggressive Spiele stattfinden zu lassen. Dies würde beispielsweise Spiele, wie Counter Strike betreffen, die von der US-Army entwickelt wurden, um Tötungshemmungen in konkreten Kampfsituationen abzubauen.”
Ich möchte diesen kleinen Abschnitt kurz kommentieren, denn hier wurde nicht gründlich recherchiert.
1. Das genannte Spiel Counterstrike (kurz CS) ist keine Kampfsimulation. Im Computerspielgenre ist das Spiel immer unter einer strategischen Kategorie eingeordnet, denn der alleinige Tötungsaspekt ist nicht Hauptziel und führt keinesfalls zu positiven Ergebnissen. Ganz im Gegenteil, blindes “Drauflosballern” wird u.a. mit Punktabzug
bestraft und führt meist dazu, dass das eigene Team verliert.2. CS wurde auch NICHT von der US-Army entwickelt. Das Spiel ist im Ursprung ein Gemeinschaftsprojekt von Spielern für Spieler. Der bereits angesprochene strategische Anspruch, besonders auch als Teamspiel, wurde im Laufe der Entwicklung immer weiter betont. (http://de.wikipedia.org/wiki/Counterstrike)
3. Ein von der US-Army entwickeltes Computerspiel ist “Americas Army”. Dieses Spiel ist aber gar nicht Teil des angebotenen Programms einer ESL Intel Friday Night Gaming Veranstaltung! Außerdem soll es nicht Hemmschwellen senken, sondern die Schusswaffe nur als letzten Ausweg anbieten.
Ich erwarte von Ihnen eine öffentliche Richtigstellung des Artikels an gleicher Stelle. Darüber hinaus wird dieser Brief inklusive Ihrer Stellungnahme als Artikel auf www.gamer-FM.de veröffentlicht. Gamer-FM ist eine Online-Community mit 15.000 Mitgliedern.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Henke
gamer-FM Moderation
http://www.gamer-fm.de
gamer-FM // hear the game…
Die Antwort der grünen:
Sehr geehrter Herr Henke,
und, da wir wissen, dass dieses Schreiben auch veröffentlicht wird:
liebe “Killer”spielgemeinde, liebe interessierte LeserInnen,vorab: einige der Formulierungen in unserer Pressemitteilung waren womöglich wirklich etwas unglücklich gewählt. Uns war und ist vor allem an zwei Dingen gelegen: Wir möchten uns nicht einfach vom OB mit vereinnahmen lassen, in dem er so tut, als hätten wir Ihren ESL-Spieltag einfach so mitgenehmigt – so war es nicht. Zweitens ist uns tatsächlich an einer kritischen Auseinandersetzung mit der Thematik und Problematik der sogenannten “Killerspiele” gelegen. Denn es gibt auch bei den GRÜNEN Befürworter wie Sie und andere, aber auch Menschen, die solche Spiele am liebsten verbieten wollen und wieder andere, die eine differenzierte oder auch gar keine Meinung dazu haben – auch das gibt es.
Wir sind uns bewusst, dass die Problematik sehr kontrovers diskutiert wird. Leider auch oft viel zu emotional. Sie und wir wissen, dass Counter Strike und andere Spiele in der legalisierten Version in Deutschland durchaus sehr einfach auf Versionen zu patchen sind, die hier keine Spielfreigabe bekommen würden. Insofern ist, eng gesehen, die Freigabe durch die Bundesprüfstelle durchaus kritisch zu sehen. Ob es tatsächlich einen Unterschied macht, ob Blut rot statt gelb ist oder virtuelle Köpfe auch explodieren können, sei dahingestellt – für die Prüfstelle ist es offensichtlich ein Entscheidungskriterium. Über die Definition von “gewaltverherrlichend” gibt es wenige Diskussionen, ob ein Spiel, dessen Ziel vor allem durch virtuelle Gewaltausübung erreicht werden kann, so bezeichnet wird, liegt dann aber oft genug im Auge des Betrachters. Viele unserer Mitglieder sind Pazifisten oder haben zumindest einen kritischen Blick auf Militär und den Einsatz militärischer Gewalt. Und obwohl es üblich ist, bei jungen Menschen Spiele wie Counter Strike, Call of Duty (der Titel ruft schon bestimmte Assoziationen hervor), oder Warcraft vorzufinden, so mögen wir uns als Partei nicht damit abfinden, dass es normal ist, Spiele, die militärische oder paramilitärische Kampfhandlungen abbilden, zu spielen. Wir können in den Nachrichten tagtäglich verfolgen, wie schrecklich und verheerend solche Kampfhandlungen überall auf der Welt sind – vor allem für die meist eigentlich unbeteiligte Zivilbevölkerung. Krieg zu spielen, verharmlost diesen in unseren Augen. Andererseits ist eine generell abwertende Verteufelung auch nicht angebracht.
Es gibt eine riesige Spielergemeinde weltweit. Mit einem einfachen “weg damit” kommen wir da nicht weiter. Bisher fehlt ein breit angelegter Dialog, der die ganze Fülle von Bedenken und Ängsten, von Gründen für die Faszination dieser und anderer Computerspiele wie auch den Stellenwert im Lebensalltag überwiegend junger Menschen umfasst. Hierzu gehört auch die kritische Betrachtung gesellschaftlicher und familiärer Zustände, die einen einseitigen, übermäßigen Konsum auch von PC-Spielen – Stichwort Spiele- oder PC-Sucht – mit den zu befürchtenden negativen Folgen befördern und die es zu ändern gilt . Diesen Dialog wollen wir, jenseits von aktuellem Wahlkampfgetöse, dauerhaft vorantreiben. Als Partei sind wir ebenfalls der gesellschaftliche Vorsorge verpflichtet.
Wir suchen die Debatte darüber, weil wir negative Auswirkungen auf Menschen, die diese Spiele regelmäßig spielen, befürchten, z. B. aufgrund der kanadischen Studie zur Auswirkung von Fernsehkonsum (http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MEDIEN/FernsehenGewalt.shtml) –obwohl bei Fernsehen nur passiv Gewalt konsumiert wird. Der Ich-Bezug als Gewaltausübender bei Ego-Shootern lässt daher schon abstumpfende oder gewaltfördernde Folgen vermuten. Allerdings gibt es dazu sehr unterschiedliche Studien und Aussagen von Spielern, Hirnforschern und anderen Fachleuten. Insofern sind wir als politische Partei und auch als Gemeinderatsfraktion gehalten, auf der Basis von Informationen Entscheidungen zu treffen. Ein Fachgespräch war vor unserer Entscheidung in Bezug auf die Veranstaltung in Karlsruhe nicht mehr möglich, wir haben uns vorsorglich dafür entschieden, die Veranstaltung in der Form abzulehnen. (Sie dürfen sicher sein, wäre es alleine um die FIFA-Spiele gegangen, die ja auch Teil der ESL sind, hätten wir freudig zugestimmt). Wir betonen aber, dass wir in der Planung für eine Diskussionsveranstaltung sind, bei
der nicht nur ablehnende Stimmen zu Wort kommen sollen. Dazu sind Sie heute schon herzlich eingeladen.Für Kreisvorstand und Gemeinderatsfraktion Bündnis90/Die GRÜNEN Karlsruhe
Jörg Rupp Bettina Lisbach Anne Segor

8 Antworten zu “Spielekiller”
Leave a Reply







Mai 18th, 2009 at 18:19
[...] (Aphex3K) Die Kritik der Grünen an dem “Intel Friday Night Game” in Karlsruhe hat viele überrascht. Michael Henke hat die Fraktion in einer Mail auf einige Fehler der Pressemeldung aufmerksam gemacht und nun eine ausführliche Antwort erhalten. Man gibt zu, dass es einige unglückliche Formulierungen gab und bekräftigt, dass man an einen langfristigen Dialog interessiert sei. Man bittet aber auch umk Verständnis für die eigene Position: [...]
Mai 18th, 2009 at 19:22
Hey, den Brief kenn ich doch
http://killerspieldebatte.wordpress.com/2009/05/18/antwort-der-gruenen/
Mai 18th, 2009 at 19:25
[...] Ok, offenbar ein Standardschreiben. Keine Ahnung ob man ihnen da einen Vorwurf machen kann, haengt davon ab, wieviele schreiben sie [...]
Mai 18th, 2009 at 21:04
Ja aber in meinen Augen eben nicht, und es wäre schön, wenn man eine solche Pauschalbehauptung einer Verharmlosung auch begründen könnte.
Für mich stellt Krieg im Spiel immer eher eine Verhöhnung dar. Gerade bei “Call of Duty”…
Ich für meinen Teil meine darüber hinaus ja gar keinen Krieg zu spielen, sondern bloß Bilder davon, und zwar gerade wegen des Schreckens aus den Nachrichten.
Und des Leids, das ich gegebenenfalls auch in Spielen angemessen portraitiert wiederfinde
Ich möchte meine Augen jedenfalls nicht verschliessen (müssen)
Mai 19th, 2009 at 15:07
Die zitierte Textstelle ist aus dem Schreiben entfernt worden.
Mai 25th, 2009 at 21:23
[...] Grünen schalteten sich mit einem offenen Brief ein, die gesamte Diskussion ist hier zu finden. Meiner Meinung nach demontieren sich hier diverse Parteien selbst, denn im Gegensatz zum [...]
Juni 29th, 2009 at 13:53
ähhhm wieso wird warcraft aufgezählt da kenn mir kein politiker was das ist ein reines strategie spiel und sehts mal so sobald man nicht mehr auf menschen feuert kriegt es eine altersfreigabe von 12 oder darunter darunter wenn du mit fiktiven waffen schießt die aber einer realen nach empfunden sind und da gibs einige
wenn killer spiele sinnlose gewalt darstellen kann man moorhuhn auch als killerspiel bezeichnen da es sinnlose gewalt an hilflosen tieren darstellt schlimmer noch du kannst den ballonfahrer und piloten vom himmel schgießen hallo? das ist wirkliche sinnlose gewalt dagegen denke ich das taktisch fixierte egoshooter etwas deutlich anderes sind zb wenn man in den meisten ego shootern wie rambo rum rennt ist man geliefert außerdem sollen sich die lieben kritiker doch bitte selbst vor eine konsole oder ähnlioches bequemen und selber spielen man kann viel reden man kann aber auch einfach mal selber spielen um zu sehen ob das wirklich stumpfes rum geballer (postal und manhunt lassen grüßen ich kenn die von youtube *kotz*)oder eine strategisch angehauchte team schlacht ist
Oktober 28th, 2009 at 12:31
[...] « Et bien qu’il soit coutume de trouver chez les jeunes des jeux comme Counter Strike, Call of Duty (le titre évoque déjà certaines associations) ou Warcraft, nous ne pouvons pas nous résigner à trouver normal de jouer à des jeux qui représentent des actions militaires ou paramilitaires. Nous pouvons constater quotidiennement dans les journaux à quel point ces combats sont terribles et dévastateurs [dans la réalité]. A nos yeux, jouer à la guerre minimise sa gravité. D’un autre côté, une condamnation générale serait inopportune. […] Vous pouvez être sûrs que s’il s’agissait uniquement de jeux comme FIFA, qui font également partie de l’ESL, nous aurions approuvé cet évènement avec plaisir. » (Bettina Lisbach et Anne Segor, élus municipaux Verts de Karlsruhe, à propos de l’Intel Friday Night Game – Source) [...]